Sonntag, 3. August 2014

Jokkmokk

02.08.2014 -
Jokkmokk 0 km

Gestern abend hatte ich mir überlegt, dass Jokkmokk der ideale Ort für eine Pause wäre. Schließlich habe ich noch drei Tage Überhang. Die Hütte war annehmbar, das Wetter versprach gut zu werden und in Jokkmokk gibt es was zu sehen. Also verzichtete ich auf den Wecker, stand kurz vor neun auf und ging zur Rezeption, um einen Kaffee zu trinken und die Verlängerung zu vereinbaren. Pech - alles war schon reserviert.
Meinen Plan wollte ich nicht aufgeben, zum Weiterfahren war es für mich zu spät - also suchte ich nach einem geeigneten Platz für das Zelt. Am See stand schon ein kleines und ein Reiserad daneben. Der zugehörige Radler schlenderte mir auch gerade entgegen.
Natürlich wieder ein Deutscher. Langsam glaube ich, dass fast nur Deutsche solche merkwürdigen Dinge tun, je nach Standpunkt könnte man auch sagen, die so bekloppt sind.
Bert ist aus Bayern, 63 Jahre alt und gerade im Vorruhestand angekommen. Er ist aus Deutschland gestartet, schon vier Wochen unterwegs und will - zum Nordkap. Seltsame Idee!
Gestern hatte er die 160 km von Arvidsjaur nach Jokkmokk in einem Ritt erledigt und war, da er spät los fuhr, erst um Mitternacht angekommen. Dennis und Tobi war er auch schon begegnet.




Ich baute mein Zelt gleich neben seinem auf. Wir unterhielten uns lange über alles Mögliche und Bert brach erst um 15.30 zur Weiterfahrt auf. Da wird er wohl wieder erst nachts ankommen.




Ich nutze den Tag noch für einen Besuch des Sami-Museums und war etwas überrascht, was für tolle öffentliche Einrichtungen Jokkmokk hat: Sporthalle, Schwimmbad, Bibliothek, Haus des Wissens ...
Für eine Stadt von 2800 Einwohnern ein gewaltiges Angebot, aber sicherlich hat das damit zu tun, dass sie ein Zentrum für ein großes Gebiet darstellt.
Für mich war aber heute das Bad im See nördlich des Nordpolarkreises direkt neben meinem Zelt der Höhepunkt. Es bedurfte allerdings keinerlei Überwindung. Um 19 Uhr war die Luft noch angenehm warm und das Wasser wärmer als die Ostsee.



Auch wenn die Sonne um 22.00 untergeht, es wird hier gar nicht mehr richtig dunkel. Die ganze Nacht herrscht eine Art Dämmerung.
Morgen soll es hier sehr warm werden - ungefähr 24 Grad, Montag bis 27 Grad.
Gut, dass ich nicht nach Italien gefahren bin, da würde ich frieren!

Freitag, 1. August 2014

Kein Kreis zu sehen

01.08.2014 9.00 - 14.00
Kåbdalis - Jokkmokk 61,6 km

Sonnenaufgang 3.31
Sonnenuntergang 22.02

Das ist schon ein lästig, wenn man morgens um halb vier von der Sonne wach gekitzelt wird. Immerhin lässt sie sich fast täglich sehen.
Heute sollten es nur etwa 60 km werden, da konnte ich es langsam angehen lassen.

Nach zwanzig Kilometern kam mir auf der leeren Landstraße ein Radler entgegen, ebenso bepackt wie ich.
Natürlich wieder ein Deutscher - Tobi aus Hannover. Er kam gerade von den Lofoten und war ebenso wie ich seit drei Wochen unterwegs. Tobi ist 38 Jahre alt und campt ausschließlich wild. Anders als Dennis, der die Leute fragt und gern mal im Vorgarten übernachtet, sucht sich Tobi sein ruhiges Plätzchen abseits der Straße selbst.
Das werde ich freiwillig nicht machen, mit 64 Jahren gönnt man sich doch lieber die tägliche Dusche.
Tobi schwärmte wie alle, die mal dort waren, von den Lofoten und dem tollen Wetter das er dort hatte. Als ich sagte, dass ich mich freue, endlich mal wieder einen Radler zu treffen, meinte er, dass ich mir die falsche Strecke ausgesucht habe. Auf den Lofoten ist viel mehr los.
Nach dem Pläuschchen gings zügig Richtung Jokkmokk weiter. Zehn Kilometer vor Jokkmokk gibt es einen Parkplatz mit Raststätte - der Nordpolarkreis war erreicht. Erst wollte ich das Ereignis mit Hilfe des Stativs allein dokumentieren, da lief mir eine Ami-Familie aus Georgia/Mississippi über den Weg. Der Familienvater stellte mir die mittlerweile üblichen Fragen, hatte aber noch nichts vom Nordkap gehört. Sie waren mit dem Leihwagen unterwegs und ich hatte den Eindruck, dass sie Schweden und Norwegen durcheinander brachten. Egal, sie waren nett und aufgeschlossen und ich revanchierte mich mit ein paar Fotos für ihr Familienalbum.




Kurze Zeit später war ich in Jokkmokk und nahm eine Hütte auf dem Campingplatz.
Jokkmokk hat nicht nur einen netten Namen, es ist auch ein schönes Städtchen und das Zentrum der Sami-Kultur. Dass die Dame, die vor dem Supermarkt kleine Schnitzereien und Felle verkauft, russisch sprach, tut nichts zur Sache.
Hier noch ein paar kleine Impressionen aus Jokkmokk:










Der Sommer ist zurück

31.07.2014            9.00 - 17.15
Arvidsjaur - Kåbdalis   101 km

Der gestrige Tag endete, wie er angefangen hatte - mit Regen.
Heute früh wurde ich dann von der Sonne geweckt, die schon um 6.30 mein Zelt aufgeheizt hatte.
Hatte der Norweger gestern doch den falschen Wetterbericht.

Da klar war, dass ich heute 100 km durch sehr schwach besiedeltes Gebiet fahren werde, musste ich mir erstmal reichlich Proviant einkaufen.
Dann ging es wie so oft auf die E45.
Von Verkehr konnte eigentlich keine Rede mehr sein. Viel Zeit verging, bis wieder mal ein Auto vorbei kam. Dafür wurde mir aber sehr oft zugewunken.
Es ging weiter erheblich bergauf und bergab, aber die Steigungen waren zu meist sanfter als am Vortag.
In Auktsjaur gibt es einen Shop, der Angeltouren und Abenteuerwanderungen organisiert und Kaffee gab es da auch. Der Verkäufer war sehr kurz angebunden. Ja, nein, bitte, Tschüß.
Als ich wieder aufs Fahrrad steigen wollte, kam sein Kompagnon.
Woher, wohin, wie lange, wie zurück? Good luck! Gott sei Dank, wieder ein richtiger Schwede.

Natürlich gab es wieder schöne Seen und wunderbar wilde Flüsse. Leider kann ich hier kein Video einstellen, das Geräusch gehört unbedingt dazu.




Heute habe ich Rudolph, das Rentier insgesamt neun mal gesehen. Gern trottet er auf der Europastraße entlang und lässt sich von Autos nicht stören, denn die halten ja an.
Wenn ich in seine Nähe kam, wartete er einen Moment, bis ich die Kamera heraus gekramt hactte und verschwand dann. Er ist nicht wirklich scheu, sondern kamerascheu.
Einmal kam er mit seinem Bruder, da konnte ich sie mal erwischen. Wenn man genau hinsieht, erkennt man die Halsbänder, also wild sind die nicht.




Leider war der von mir nach 100 km angesteuerte Campingplatz nicht mehr vorhanden und der ganze Ort Kåbdalis wie ausgestorben, nur beim Lanthandel reagierte noch jemand auf mein Klopfen. Er bot mir ein etwas überteuertes Zimmer an. Da ich nicht noch 50 km nach Jokkmokk fahren wollte, nahm ich an. Leider bekomme ich hier mit meiner schwedischen SIM-Karte keine Verbindung. Also könnt ihr euch auch diese geniale Waschbecken/Dusche - Kombination erst morgen ansehen.

Vorher:




Nachher (Wand mit Waschbecken wid nach rechts geschwenkt, der Wasserhahn ist nicht schwenkbar)




Und hier noch ein leicht verständlicher Hinweis am Supermarkt in Arvidsjaur:


Mittwoch, 30. Juli 2014

Moltebeere!

30.07.2014         9.20 -18.40
Sorsele - Arvidsjaur 86,3 km

Der Abend war gestern sehr schön und warm. Heute früh sah es ganz anders aus - grau und verregnet. Die Temperatur war auf 14º gefallen. Also musste ich mal wieder die Regensachen auspacken. Der Regen wechselte ständig zwischen Sprüh- und Starkregen. Damit nicht genug, böiger Wind und die Straße die reinste Achterbahn. Nach zehn Kilometern hatte ich mich mit dem Wetter angefreundet. Ja, das geht, man muss nur wollen!
Die Straße war nicht mein Freund. Bei einer anständigen Achterbahn wird man hoch gezogen und hat genug Schwung bis zum Ende. Ich hingegen musste sogar abwärts gegen den Wind antreten.




Unterwegs traf ich wieder zwei Eimerträger, diesmal komplett in Tarnanzügen mit polnischem Hoheitsabzeichen. Auch sie konnten mir den Namen der Beeren nur in ihrer Muttersprache sagen - also in einer Anhäufung von Zischlauten. Wenigstens stellten wir fest, dass ich letztes Jahr durch die Heimatstadt des einen gefahren bin. Wir verabschiedeten uns mit Handschlag.
Nach 30 Kilometern kam ich durch einen kleinen Ort - Slagnäs.
Ein Schild versprach Kaffee und Våfflor. Ich machte also einen kleinen Umweg durch den Ort und folgte den Hinweistafeln. Ich landete in einem kleinen Museumsdorf des Heimatvereins. Wie ich später erfuhr, wurden die alten Gebäude von verschiedenen Stellen der Umgebung hierher geschafft und wieder aufgebaut. Nach einigem Suchen fand ich eine nette Dame in der Küche. Schnell stellte sich heraus, dass sie deutsch sprach. Kein Wunder, ist sie doch vor fünf Jahren aus Stuttgart hierher gezogen.
Ursula konnte mir auch gleich erklären, dass die bewusste Beere die Moltebeere ist. Und zu Kaffee und Waffel bekam ich gleich noch Moltebeerkonfitüre zu kosten.



Die Männer mit den Eimern, die ich gestern gesehen hatte, waren wahrscheinlich Thailänder, die hier leider wie Sklaven arbeiten müssen und im Wald schlafen. Offensichtlich machen zwielichtige Gestalten daraus ein lukratives Geschäft.
Ursula konnte mir auch erklären, was Loppis wirklich bedeutet, den sie verwaltet einen dieser Flohmärkte.



Für sehr wenig Geld kann man dort Dinge kaufen, die andere nicht mehr brauchen. In Ansätzen gibt es ja sowas auch in Deutschland, aber hier scheint es ein richtiger Volkssport zu sein. Bei uns landet einfach zuviel im Müll, weil der Weg zu dem, der es brauchen könnte zu schwierig ist.
Wir haben noch über viele Dinge geredet und Ruckzuck waren zwei Stunden rum. Immer wieder kamen Gäste, um sich mit Waffeln und Kaffee versorgen zu lassen und so habe ich Ursula ganz vergessen zu fragen, wie sie und ihre Familie mit dem langen Winter zurecht kommen. Wir haben uns herzlich verabschiedet und sie empfahl mir noch, einige Meter weiter den Fluss zu besuchen. Am Fluss entlang sind Holzstege angelegt und man kann direkt "übers Wildwasser gehen".




Auf dem Parkplatz traf ich dann noch ein Ehepaar aus Mahlow, , dass mit dem Wohnmobil auf dem Heimweg war.

Der Plausch mit Ursula führte dazu, dass ich sehr spät auf dem Camp in Arvidsjaur ankam und es keine Alternative zum Zelten mehr gab.
Da der Himmel gegen Abend wieder aufgerissen war und sogar die Sonne rauskam, hatte ich damit kein Problem.
Mein Zelt sorgt immer wieder für Aufsehen, erstens weil kaum noch jemand zeltet (hier stehen im Moment vier Zelte und hunderte Caravans) und zweitens, weil es das absolut kleinste ist. So kam ich heute abend mit einem norwegischen Paar ins Gespräch. Als ich sagte, dass es nach meiner Wettervorhersage morgen wieder besser sein sollte, zog er sein Smartphone aus der Tasche, schaute drauf und sagte: Oh, das willst du jetzt gar nicht wissen!
Er zeigte mir dann doch noch die Vorhersagen - Wolken mit Strichlein dran - nachts und morgen ...
Na dann, gute Nacht!

Dienstag, 29. Juli 2014

Eisbeeren?

29.07.2014      9.00 - 16.00
Storuman - Sorsele   75,9 km 

Gestern abend gab es noch einen sehr schönen Sonnenuntergang, danach ging aber ein heftiges Gewitter über Storuman niedriger.




Zunächst schrieb ich im Servicehaus an meinem Blog, dann blieb mir nichts anderes übrig, als mich in mein Minizelt zurück zu ziehen und mit der Stirnlampe noch etwas zu lesen.
Auf ein weiteres Gespräch mit dem Radler aus Waren hatte ich keine Lust, da er ein ziemlicher Unsympath war.
Morgens war der ganze Zauber vorbei, nur recht kühl. Allerdings war es nicht ganz einfach, alles trocken und sauber wieder in den Packtaschen zu verstauen.
Zunächst fuhr ich zum ICA-Supermarkt, um mir noch ein paar frische Brötchen für die Reise zu kaufen. Viel war nicht im Angebot. Ich traf die Verkäuferin vom Vortag wieder und bedankte mich für den guten Tipp bezüglich des Aussichtspunktes. Dabei entdeckte ich noch einen Kaffeeautomaten und trank mal wieder einen Morgenkaffee.
Wieder auf der E45 war kaum Verkehr wahrnehmbar. Die Straße ähnelte mehr einer Landstraße in der lüneburger Heide als einer Europastraße, zumal mir mehrere deutsche Reisebusse entgegen kamen. Die waren bestimmt da, wo ich noch hin will.
Es ging auf und ab durch eine Moorlandschaft wie auf einem extra breiten Fahrradweg.




Zwischendurch wieder sehr schöne Seenlandschaften (ich glaube, diese Bilder lasse ich bald weg, es langweilig).




Kurz vor Blattnicksele ging ein Rehbock in aller Ruhe über die Straße. Wieder kein Elch - aber fotografieren (was für ein schönes, altertümliches Wort) konnte ich ihn auch nicht mehr. Wenig später tauchten asiatisch ausehende Männer mit Eimern auf, die offensichtlich irgend welche Beeren sammelten. Wir grüßten uns sehr freundlich und ich ärgerte mich kilometerlang, dass ich nicht angehalten habe, um der Sache auf den Grund zu gehen und vielleicht ein Foto zu machen. Ich glaube, es waren Sami, die Ureinwohner Lapplands. Sie sind inzwischen eine kleine Minderheit und wirken in ihrer Heimat seltsam exotisch.
Mein Ärger verflog, als ein junger pickliger Mann die Straße entlang lief und mit mir reden wollte. In holprigem Englisch erkundigte er sich, ob das die richtige Richtung nach Sorsele sei und wie weit es noch wäre. Sein Kumpel mit dem Auto hätte ihn im Stich gelassen und er müsse jetzt 10 km bis Sorsele zum Campingplatz gehen, weil kein Auto anhielte. Er ist Ukrainer, kann zwei Monate in Schweden bleiben und hofft, so erst mal der Rekrutierung zu entgehe. Er zeigte mir sein Sammelergebnis, brombeerähnlich, aber gelblich blass mit etwas Rotfärbung. Als ich ihn fragte, wie sie heißen, konnte er mir nur den ukrainischen Namen "Maroshka" sagen. Vielleicht weiß das jemand von den geneigten Lesern am anderen Ende des Internets genauer - ich glaube, die heißen Eisbeeren.
Jedenfalls musste er allein weiter laufen.
In Sorsele gibts ne Tankstelle, zwei Supermärkte, ein Asia-Imbiss und ein Hähnchen-Grill.
Und natürlich liegt das Vandrarhem an einem wunderschönen See.
Aber lassen wir das jetzt ...

Montag, 28. Juli 2014

Entschleunigung

28.07.2014 9.30 - 15.30
Vilhelmina - Storuman 70,6 km

Heute sollte es nur eine kurze Etappe werden. Ich muss noch wenigstens zwei Tage "abbauen". Das ist natürlich eine schwierige Angelegenheit. Bin ich zu großzügig und mir passiert noch etwas, wird es gleich wieder eng.
Auf dem hiesigen Campingplatz habe ich gerade mit einem Radler aus Waren an der Müritz gesprochen, dessen fast neuer Reifen sich gerade auflöst. Er hat in Storuman aber schon einen Händler entdeckt.

Nach zwei Übernachtungen musste ich erst mal die Hütte reinigen, abwaschen und das Fahrrad bepacken. Schon war es 9.30 Uhr.
Ich überlegte noch kurz, ob ich das im Straßengraben gefundene Schild "Fahrschüler" anbringe, aber das könnte zu Missverständnissen führen.




Los gings gleich mit ein paar größeren Hügeln. Der Himmel war bedeckt und es wehte mir eine leichte Briese ins Gesicht, also kein Grund für Schweißausbrüche. Der Verkehr wird hier immer schwächer und viele Kilometer weit gibt es keine Häuser oder wenigstens Briefkästen am Straßenrand.
Dagegen ist die Uckermark übervölkert.




Merkwürdigerweise habe ich das Gefühl, dass die wenigen Autofahrer hier aggressiver fahren. Möglicherweise herrscht hier oben eine andere Mentalität. In Deutschland tragen ja auch nicht alle Lederhosen.
Bei Gegenverkehr versuchen sich viele noch durchzuquetschen. Einer fuhr so dicht an mir vorbei, dass polnische Autofahrer vor Neid erblassen würden. Auch der Gegenverkehr wird schon mal auf den Randstreifen gedrückt. Ob dieses Wrack der Mahnung dienen soll, weiß ich nicht.




Unterwegs kehrte ich auf einem Campingplatz ein, um einen Kaffee zu trinken und etwas zu essen. Die Betreiberin war ziemlich ruppig - "Kaffeekanne steht auf dem Tisch, Sandwiches mach ich nicht mehr, lohnt sich nicht! " - aber trotzdem ganz ulkig. Es klärte sich auf, als sie mit ihrer Hilfskraft russisch sprach. Ich fragte sie, wo sie herkäme - aus Lettland. Immerhin konnte ich mich mit spasibo und doswidanja verabschieden.




In Storuman angekommen, baute ich auf dem Campingplatz mein Zelt auf.




Eigentlich hätte ich auch noch die 30 km bis zum nächsten Platz fahren können, aber ... siehe Titel. Was für mich zur Tagestour wurde, hat Dennis vorgestern mal eben abends noch an die 130 km bis Vilhelmina drangehängt. Chapeau!

Anschließend im Supermarkt hatte ich ein kleines Gespräch mit einer Verkäuferin. Sie empfahl mir dringend, Storuman von einer Ausichtsplattform auf dem Berg aus anzusehen. Sie beschrieb mir den Weg und ich fuhr mit meinen Einkäufen direkt dorthin, d.h. schob dorthin, denn es war extrem steil. Es hat sich aber gelohnt.




Weil mein Schwiegervater heute Geburtstag hat, muss ich hier mal seine sportliche Leistung würdigen. Anfang der 50er Jahre ist er mit einem klapprigen Fahrrad von Potsdam nach Leipzig gefahren. Das finde ich nach wie vor bewundernswert. In diesem Sinn nochmals alles Gute zum Geburtstag!

Sonntag, 27. Juli 2014

Zwei Wochen ...

So, die ersten 14 Tage sind vorbei, die halbe Strecke absolviert, wie sieht die Zwischenbilanz aus?

Das Wetter:
Ganz anders als gedacht, bis auf den ersten Regentag nur Sonnenschein bei 25-28 Grad. Fast schon zu warm zum Fahrradfahren. Kann aber wohl kaum so weiter gehen.

Die Schweden:
Sehr freundlich, rücksichtsvoll und hilfsbereit. Ich habe sie schon ins Herz geschlossen - sie mich hoffentlich auch!

Die Sprache:
Die Aussprache ist nicht einfach. Geschriebene Begriffe sind oft gut zu interpretieren. Mit der deutschen Rechtschreibung sollten die Schweden aber nicht so schlampig umgehen (Vandrarhem, Lanthandel).
Englisch funktioniert hier wirklich überall. Selbst sehr alte Leute können häufig gut englisch - jedenfalls besser als ich.

Die Verpflegung:
Supermärkte haben täglich geöffnet, an den Wochenenden mit leicht reduzierten Zeiten. Pizzerias gibts in jedem Nest. Die Brötchen sind nicht so mein Fall, ich habe im Supermarkt Baguettes entdeckt, die schmecken natürlich nicht wie in Paris, ähneln aber geschmacklich in etwa den gewohnten Brötchen. Ansonsten gibt es alles was man braucht.

Das Geld
In Form von Bargeld ist es fast überflüssig. Auch kleinste Beträge werden mit Kreditkarte bezahlt. Allerdings muss die Karte mit einem Chip ausgerüstet sein, denn die Authentifizierung erfolgt immer mit PIN, eine Unterschrift ist nicht vorgesehen. Ich muss sehen, dass ich die in Trelleborg abgehobenen Scheine rechtzeitig los werde.

Die Übernachtungen:
Die Möglichkeiten sind vielfältig. Campingplätze, Vandrarheme und Hütten gibt es bisher bei jeder größeren Siedlung. Dennis hat mir erzählt, dass er mit seinem Zelt immer irgendwo für lau übernachten kann. Dafür ist es sehr sinnvoll, mit den Leuten zu reden.

Die Fahrradstrecke:
Ein Fernwegenetz wie in vielen anderen Ländern gibt es hier nicht.
Radwege sind nur Fragmente und mangelhaft gekennzeichnet. Dafür sind die Straßen in sehr gutem Zustand und fast immer gut mit dem Fahrrad zu benutzen. Ausnahmen sind die gefürchteten Baustellen.

Die Landschaft:
Wird jetzt zunehmend eintöniger, aber immer wieder unterbrochen durch betörend schöne Seen.

Der Umweltschutz:
Müll wird eifrig getrennt. Andererseits ist mein Eindruck, dass man recht großzügig mit den Ressourcen umgeht.
Gestern sah ich an der Supermarktkasse eine junge Familie, die mal eben fünf Tragetaschen kaufte, nur um den Wochenendeinkauf bis zum Auto zu tragen. SUVs und andere große Autos werde hier sehr gern gefahren. Und vom Holzeinschlag ganz zu schweigen (siehe gestriger Beitrag).

Die Ausrüstung:
Mein Fahrrad macht keine Probleme. Ich habe alles mit, was ich benötige und bis jetzt auch noch nichts vergessen. Erst bei Kälte und Regen wird sich zeigen, ob ich wirklich an alles gedacht habe.

Der Zeitplan:
Es läuft besser als erwartet. Ich werde Mühe haben, meine Reservetage sinnvoll zu nutzen.
Die Gefahr, nach großer Ankündigung grandios zu scheitern, nimmt ab.

Die Reiseradler:
Da hatte ich mir deutlich mehr versprochen. Bis auf die Dänen ziemlich am Anfang und gestern mit Dennis hatte ich wenig Kontakt. Auch aus der Gegenrichtung kam sehr selten jemand. Das wird sich vermutlich Richtung Nordkap noch ändern.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden damit, wie die Reise bisher verläuft. Ich habe kaum noch Zweifel, das Nordkap auf zwei Rädern pünktlich zu erreichen.

In Ermangelung interessanter Objekte sieht es heute schlecht mit passenden Fotos aus. Deshalb gibt es hier nur ein Bild von meinem heutigen Abendessen "Soldaten - Erbsensuppe" ??? und wie ich nach deren Genuss aussah.